Georg Heyms Gedichtband „Der ewige Tag" von 1911 gehört zu den zentralen Werken des frühen deutschen Expressionismus. In düsteren, bildgewaltigen Versen entwirft Heym Visionen von Großstadtangst, Krieg, Massenpanik und kosmischem Untergang, die von einer für seine Zeit ungewöhnlichen apokalyptischen Intensität geprägt sind. Zentrale Motive sind der „Krieg" als monströse, alles verschlingende Gestalt, das Chaos moderner Großstädte, in denen der Einzelne verloren und bedroht wirkt, sowie eine tiefe Ahnung nahender Katastrophen, die die politische Stimmung der Vorkriegsjahre widerzuspiegeln scheint. Wenige Jahre später, im Ersten Weltkrieg, sollten sich viele dieser düsteren Bilder auf erschreckende Weise als reale Erfahrung bestätigen, was Heyms Lyrik im Nachhinein einen fast prophetischen Charakter verleiht. Heym selbst erlebte diesen Krieg nicht mehr: Er ertrank bereits 1912, im Alter von nur 24 Jahren, beim Versuch, einen Freund beim Schlittschuhlaufen auf der zugefrorenen Havel zu retten. Sein kurzes, aber intensives lyrisches Werk zählt zu den eindrücklichsten Stimmen des deutschen Expressionismus.