Die Upanishaden sind das Herzstück der indischen Weisheitsliteratur–"der Trost meines Lebens und meines Sterbens", wie Schopenhauer sagte. Paul Deussen, Philosophieprofessor in Kiel, Jugendfreund Nietzsches und Gründer der Schopenhauer-Gesellschaft, legte 1897 die monumentale Gesamtübersetzung vor, die bis heute das deutsche Standardwerk geblieben ist: sechzig Upanishaden, über 900 Druckseiten, jede einzelne mit einer eigenen Einleitung. Diese digitale Gesamtausgabe bringt das komplette Werk (Textgrundlage: 3. Auflage 1921).
Der Aufbau folgt den Veden. Auf Deussens allgemeine Einleitung über das Wesen und die Lehre der Upanishaden folgen die Upanishaden des Rigveda (darunter Aitareya und Kaushîtaki), des Sâmaveda (mit den beiden großen alten Prosa-Upanishaden Chândogya und Kena), des schwarzen und des weißen Yajurveda–hier stehen Taittirîya, Kâthaka mit der berühmten Erzählung vom Jüngling Naciketas beim Tod, Çvetâçvatara, Brihadâranyaka (die umfangreichste und älteste) und Îçâ–sowie des Atharvaveda: Mundaka, Praçna, Mândûkya und die jüngeren Gruppen der reinen Vedânta-, der Yoga-und der Sannyâsa-Upanishaden bis hin zu den çivaitischen und vishnuitischen Texten. Ein Anhang ergänzt die restlichen Stücke der persischen Oupnek'hat-Sammlung.
Inhaltlich entfaltet sich hier die Ur-Philosophie des Vedânta: die Lehre vom Brahman, dem Einen, und vom tman, dem Selbst–"das bist du" (tat tvam asi)–, die Lehren von Prâna, dem Lebensatem, vom Om, von Schlaf, Traum und Tod, von Wiedergeburt und Erlösung durch Erkenntnis. Für die Atemarbeit sind besonders die Prâna-Kapitel der alten Upanishaden und die Yoga-Upanishaden ergiebig, die Atemzügelung, Nâdîs und die Silbe Om behandeln.
Deussens Einleitungen machen die Ausgabe zugleich zu einer Geschichte des indischen Denkens; seine philosophisch geschulte, wörtliche Übersetzung lässt die Texte selbst sprechen. Ein Opus magnum als Nachschlage-und Lesewerk–die Quelle, aus der fast alles Spätere schöpft.